Qualitätsrahmen-Arbeitsweisen
Arbeitsweisen
Arbeitsweisen beschreiben, wie ein Vermittlungsprozess konkret gestaltet wird. Methoden, Aufgabenstellungen und Organisationsformen sind nicht neutral, sondern stehen immer in Beziehung zu Zielen, Teilnehmenden, Machtverhältnissen und gesellschaftlichen Bedingungen. Die Wahl der Arbeitsweise beeinflusst wesentlich, welche Erfahrungen und Beteiligungsmöglichkeiten entstehen.
Der Begriff Arbeitsweisen umfasst die Art und Weise, zu einem bestimmten Ziel zu gelangen. Es gibt sehr viele und unterschiedliche Arbeitsweisen, die zwischen den Polen imitativ – kreativ, geschlossen – offen, produkt- und prozessorientiert, lehrer- – lernerzentriert, demokratisch – autoritär liegen und bereits etwas über die Zielsetzung eines Vorhabens bzw. Angebots aussagen. Welchen Weg, d.h. welche Methode oder Aufgabenstellung ich wähle, ist unmittelbar abhängig von den Zielen, die ich mir gesetzt habe. In der Vermittlungspraxis erfolgt oft der umgekehrte Weg. Doch sollte die Entscheidung über die Arbeitsweise, Methode oder Aufgabenstellung erst dann fallen, wenn ich mir über mein Ziel oder meine Ziele Klarheit verschafft habe. Denn „Wer nicht weiß, wohin er will, der darf sich nicht wundern, wenn er ganz woanders ankommt“ (Mark Twain). Darüber hinaus können auch immer der Zufall. ein Missverstehen oder sog. Fehler Impulsgeber für den künstlerischen Prozess und die Arbeitsweise sein. Genauso können aktuelle gesellschaftliche und politische Machtverhältnisse meine Arbeitsweise beeinflussen. Arbeitsweise und auch Ziele können sich von daher auch verändern. Sich dessen bewusst zu sein, ist hilfreich für den weiteren Projektverlauf.
- Wie beschreibe ich meine Arbeitsweise? Was ist charakteristisch für meine Methodik? Gibt es bestimmte Rituale, die ich gerne in meine Praxis einfließen lasse?
- Welche Bedeutung hat für mich in der Vermittlung die Improvisation und wie gestalte ich dazu Zugänge?
- Unter welchen Aspekten wähle ich meine Methoden aus? Nach welchen Kriterien bzw. Leitideen entwerfe ich konkrete Aufgabenstellungen?
- Wie berücksichtige ich die Bedürfnisse sowie Spielräume für Mitbestimmung und Mitgestaltung der Teilnehmenden in meinen Methoden?
- Wie verändern sich Machtverhältnisse durch partizipative Arbeitsweisen und wie verändern sich partizipative Arbeitsweisen durch Machtverhältnisse?
- Welche Aufgabenstellungen nutze ich zur Technikvermittlung, zur Bewegungsgestaltung, zur Improvisation, zur Einzel-, Partner- oder Gruppenarbeit?
- Wie gestalte ich Aufgabenstellungen so, dass die Teilnehmenden ästhetische Erfahrungen machen können? Welche Bedeutung haben dabei Stilmittel (bzw. Gestaltungsprinzipien) wie Wiederholen, Imitieren, Reduzieren, Rhythmisieren, Polarisieren, Verändern und Verfremden?
- Wie entwickle ich eine Sprache, die allen Teilnehmenden gerecht wird und deren Beteiligung am Vermittlungsprozess sicherstellt?
- Wie etabliere ich Gruppenregeln,für den gemeinsamen Umgang miteinander, für organisatorische, räumliche, materielle und zeitliche Fragen, für Feedbacks und Sprache, für choreografische Aufgaben oder Vorhaben?
- Welche Organisationsformen (Einzel-, Partner-, Gruppenarbeit, Block, Reihe, frei im Raum, etc.) nutze ich und warum, mit welcher Zielsetzung?
- Wie reagiere ich methodisch auf neue, überraschende Bedingungen oder kritische Situationen (räumlich, zeitlich, materiell, personell)? Mit wem kann ich darüber sprechen? Wo finde ich Inspirationen für einen produktiven Umgang mit Unvorhersehbarem?
- Wann und wie hole ich mir Feedback der Teilnehmenden ein? Wie berücksichtige ich dies in meiner Arbeitsweise, meinen Methoden und Aufgabenstellungen?
- Inwiefern ist mein Vermittlungsangebot bzw. -projekt von aktuellen gesellschaftlichen oder politischen Machtverhältnissen beeinflusst?
- Wie reflektiere ich meine eigene Position als Teil der Gruppe, als Tänzer*in, Choreograf*in oder Tanzvermittler*in
- Woran erkenne ich, ob und inwiefern meine Arbeitsweise im Hinblick auf das Projektziel angemessen ist?
Gefördert durch:
„Qualität in der Tanzvermittlung – Was Tanz bewegen kann“ wurde von 2023-2026 gefördert durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen

